Von den zarten, seidigen Blättern der Iris germanica, die wie purpurne Flammen aus dem Grün emporsteigen, bis zur zierlichen Wildheit der Iris sibirica, die sich an Ufern wie hingetupftes Blau entfaltet, jede Art ist ein eigenes Universum. Die Bartiris, mit ihrem samtenen Schmuck, wirkt wie eine Monarchin, die den Frühling krönt, während die zarten Japanischen Schwertlilien in stiller Eleganz verharren, als wüssten sie um die Vergänglichkeit ihrer Schönheit.
Und dann ist da das Geheimnis ihrer Form: Drei Blütenblätter streben himmelwärts, drei neigen sich der Erde zu als wolle sie Himmel und Erde in sich vereinen. Vielleicht ist das ihre wahre Bestimmung: nicht nur zu blühen, sondern zu vermitteln zwischen den Welten, zwischen Licht und Boden, zwischen Mythos und Wirklichkeit.
Wer eine Iris betrachtet, sieht nicht nur eine Blume. Er sieht Jahrtausende der Verehrung, griechische Götter, mittelalterliche Wappen, japanische Gärten. Sie ist eine Botin des Frühlings, eine Hüterin der Schwelle, ein lebendiges Kunstwerk, vergänglich und doch ewig, wie alles Wahre, alles Schöne.